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Nicht nur beim Rudern geht´s gemeinsam


Gemeinsam geht Vieles leichter.


Unser Boot wird für die nächste Saison fit gemacht.


Auch die beweglichen Teile eines Bootes müssen gepflegt werden.
31.12.2007
Martin Krummel: Rudern fördert Identifikation und Integration durch Mitarbeit

Die Häufigkeit von Bootsschäden, das Training, der Erhaltungsaufwand eines Bootshauses lässt den Betreuungsaufwand in einem Schülerruderverein außerordentlich hoch erscheinen. Dies kann natürlich im ersten Moment abschrecken.

Bei guter pädagogischer Steuerung durch die Vorstandsmitglieder des Schülerrudervereins liegt aber gerade in diesem hohen Aufwand wiederum ein sehr großer pädagogischer Vorteil des Schülerrudervereins. Jugendliche, die den Sprung in höhere Wettkampfklassen nicht geschafft haben und deren Ruderkarriere scheinbar beendet ist, helfen bei der Ausbildung, werden dann Betreuer und Trainer , reparieren Boote, planen Wanderfahrten etc. oder machen alles zusammen. Übernehmen also vielfältige Aufgaben in einem SRV.

Die vielfältigen Aufgaben, das Übernehmen überschaubarer Verantwortungsbereiche, das Einbringen eigener Ideen und die meist partnerschaftlich erfolgte Lösung der gestellten Aufgaben erzeugen Erfolgserlebnisse und eine hohe Identifikation mit Bootshaus, Booten und nicht zuletzt mit der gesamten Gruppe.

Mitglieder eines Schülerrudervereins müssen ihre Identifikation nicht in Symbolen irgendwelcher fehl leitender Ideologien suchen. Auch der scheinbare Symbolwert von sogenannten Markennamen auf Kleidung verblasst, wenn Jugendliche Anerkennung durch erfolgreiche Ausführung realer und für sie bedeutsamer Aufgaben haben.

Die Identifikation mit dem Ruderverein seiner bzw. ihrer Schule geht z. T. soweit, dass Ehemalige noch lang nach Beendigung ihrer Schulzeit als Betreuer und Trainer bzw. Trainerin arbeiten, und damit zum sportlichen Erfolg ihrer Schule und Schülerruderereins entscheidend beitragen und nicht zuletzt der Schule und den Kommunen sowie dem Land Kosten für sehr engagierte und außerordentlich fachkompetente Lehrer ersparen.


Schülerrudern vermittelt Kenntnisse und Fähigkeiten

Durch das hier beschriebene umfangreiche Aufgabenfeld, das ein Schülerruderverein bietet, können Jugendliche außerordentlich viele Fachkenntnisse erwerben, die über das durch den Schulunterricht vermittelte Wissen hinausgehen. Als Beispiele wären Fachkenntnisse aus dem Bootsbau, der Bootsmotorentechnik, dem Bauhandwerk und der Motorbootführerschein zu nennen. Ehemalige, die über Jahre als Trainer bzw. Trainerin tätig waren, haben durch ihre praktische Arbeit im Verein, das Ablegen von Trainerlizenzen und dem Besuch von Fortbildungsmaßnahmen einen sehr hohen Schatz an sportwissenschaftlichen und pädagogischen Kenntnissen in der Führung und Steuerung von Rudertraining erworben.

Während die sportwissenschaftlichen Kenntnisse im täglichen Gebrauch mit der Zeit ins Abseits geraten – leider fehlt berufsbedingt die Zeit, ehrenamtlich Mannschaften zu betreuen – bringen mir die aus dem Handwerk erworbenen Kenntnisse bei den verschiedensten Problemen im täglichen Leben immer wieder großen Nutzen. Gerade die Kenntnisse aus den Bereichen Transport und Organisation waren mir bei meiner Entwicklungsarbeit in Rumänien eine sehr große Hilfe. Bootstransporte und Regattaorganisation haben eine nachhaltige Wirkung hinterlassen.

Da diese oben genannten Bereiche nicht nur theoretischer Natur sind, sondern einen sehr großen Praxisanteil enthalten, vermitteln sie nicht nur Kenntnisse. Alle praktischen Tätigkeiten unterliegen Bewegungsmustern, die die persönlichen motorischen Fähigkeiten von Jugendlichen erweitern.
An Ruderbooten muss viel geschraubt und eingestellt werden. Ich beobachte immer wieder bei Anfängern, dass sie schon nach einiger Zeit im Umgang mit Schraubenschlüsseln und später auch mit anderem Werkzeug feststellen, keine „zwei linken Hände“ zu haben. Die motorischen Fertigkeiten, die beim Beladen eines hohen Bootsanhängers geübt werden, erinnern mich immer an Kunstturnen und Akrobatik der unbekannten Art.

Zum Schluss stellt sich natürlich die Frage, ob Rudern überhaupt Freude macht. Ein eigenes Kapitel über das Für und Wider von Rudern contra Fun-Sportarten erübrigt sich hier, denn Rudern macht Freude. Meine Erfahrungen mit hunderten von Jugendlichen, die in Schülerrudervereinen oder Schülerruderriegen rudern und an entsprechenden Regatten teilnehmen, zeigen, dass da etwas dran sein muss. Jugendliche würden bestimmt nicht den Arbeits- und Zeitaufwand auf sich nehmen, wenn nicht auch ein großer Anteil an Freude und Erlebniswert in dieser gemeinschaftlich ausgeübten Betätigung liegen würde. Der Spaßfaktor – welch schönes neues Wort – kann beim Rudern nicht in Beschleunigungskräften halsbrecherischer Kurven oder risikoreicher Abschussfahrten gefunden werden. Nachhaltige Freude in dieser Sportart liegt woanders. Das aber muss jeder bzw. jede selbst für sich herausfinden.

Ausblickend gilt auf unterschiedlichen Ebenen wie der Politik, der Gesellschafts-, Erzihungs- und Sportwissenschaften darüber nachzudenken, welche Voraussetzungen notwendig sind, um das Angebot des Schülerruderns zu erweitern, so dass noch mehr Jugendliche von den umfangreichen pädagogischen Möglichkeiten der in diesem Rahmen ausgeübten Sportart profitieren können. Förderung des Rudersports für Jugendliche sollte nach meiner Überzeugung primär unter folgender Leitidee stehen:
„Wie können möglichst viele Jugendliche möglichst viel von diesem Sport für sich, für ihr zukünftiges Leben und damit auch für die Gesellschaft von morgen profitieren?“