News Termine Schülerrudern RWR-Leitlinien Schülerruderpokal Vorstand Satzung Mitglieder Links Impressum  
Gemeinsamer Erfolg will gelernt sein!


Teamwork


Probleme lösen


Verantwortung für das Bootsmaterial übernehmen


Verantwortung für andere übernehmen


Gemeinsam etwas aufbauen
31.12.2007
Martin Krummel: Rudern erzieht zu Werten

Das wertvolle pädagogische Element beim Schülerrudern besteht nun darin, dass die Jugendlichen nicht nur durch Spiele beschäftigt werden, sondern von ihnen durch Training, Arbeiten beim Beladen des Bootsanhängers und der Instandhaltung der Boote bedeutsame Aufgaben bewältigt werden müssen.
Oft scheinen schwierige Aufgaben unlösbar zu sein. Jugendliche erfahren hier, dass mit Hilfe von Trainern und Trainingspartnern die meisten Probleme zu lösen sind.

Bei Schülerinnen und Schülern beobachte ich immer öfter die durch die Medien suggerierte Haltung, dass man für Erfolg nicht mehr zu arbeiten braucht. Bei Sportwettkämpfen insbesondere Ruderwettkämpfen erfahren Jugendliche dagegen sehr schnell, ob sie ausreichend gearbeitet haben, denn beim Rudern gibt es keine schnellen Erfolge. Um bei Regatten erfolgreich mitrudern zu können, muss sich die gesamte jugendliche Mannschaft einem langfristigen und kontinuierlichen Training unterziehen. Das Training beginnt meist im November, frühestens im April bei den ersten Regatten zeigt sich aber, ob erfolgreich trainiert wurde. Jugendlich können hier erkennen, dass Erfolg nur durch hohe Leistungsbereitschaft und kontinuierliches und langfristiges Arbeiten gewährleistet ist.

Durch eine weitere Facette des Rudersports können Jugendliche erkennen, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man exakt und möglichst fehlerfrei arbeitet. Der motorische Regelkreis, der sich aus dem komplexen Ruderbewegungsablauf, dem synchronen Harmonisieren der Mannschaftsmitglieder und dem lageinstabilen Boot ergibt, macht Jugendlichen deutlich, dass ein Fehler im Bewegungsablauf andere Fehler nach sich zieht und auf keinem Fall durch weitere Fehler behoben werden kann. Daher sind nachhaltige Regattaerfolge nur dann gewährleistet, wenn alle Mannschaftsmitglieder die Ruderbewegung korrekt ausführen.
Bei entsprechender Anleitung können jugendliche Mannschaftsmitglieder dabei auch erfahren, dass Reflektion über das eigene Handeln förderlich, ja geradezu unabdingbar ist, um sich zu verbessern. Erfahrungsgemäß sind selbstkritisch erkannte eigene Fehler gar nicht so schwer zu ertragen, denn spätestens die beim Training gemachten Videoaufnahmen zeigen bei jedem Mannschaftsmitglied Fehler in der Ruderbewegung.

Rudern ist auf der einen Seite sehr betreuungsintensiv, auf der anderen Seite birgt es bei der Beachtung grundlegender Sicherheitsaspekte und entsprechender Gewässern kaum Gefahren in sich.
Gerade in Schülerrudervereinen ist es deshalb üblich, Jugendliche für die Ausbildung von Anfängern einzusetzen. Jugendlich machen bei diesen Ausbildungsaufgaben erste pädagogische Erfahrungen im Umgang mit der von ihnen betreuten Mannschaft. Sie erleben aber weiterhin auch, dass das Weitergeben von eigenem Wissen Spaß machen kann und sie auf menschlicher Ebene genauso viel zurück bekommen, wie sie gegeben haben.


Rudern erzieht zur Teamarbeit

Ruderboote sind unhandlich, lang und schwer. Darin liegt ihr pädagogischer Vorteil gegenüber, sagen wir einem Ball. Zum Tragen eines Bootes müssen alle mit anpacken. Man ist auf Hilfe angewiesen, kann aber wiederum auch Hilfe gewähren. Das verbindet Alt und Jung bei der aktiven Freizeitgestaltung.

Zehn Fußbälle sind von einer Person schnell in Transportsäcken verstaut. Um zehn Ruderboote auf dem Bootsanhänger zu verladen, ist die längerfristige Zusammenarbeit aller erforderlich.

Ein Ruderboot läuft nur dann gut, gemeinsames Rudern macht nur dann Spaß, wenn jedes Mannschaftsmitglied aktiv mitrudert und sich nicht auf Kosten des Einsatzes der anderen „ausruht“. Denn wenn ein Mannschaftsmitglied nicht im gleichen Maße sich bei der Gesamtbewegung beteiligt, dann spüren das die anderen. Das heißt aber auch: Beim Rudern muss man sich in seinen Handlungsabläufen wesentlich mehr abstimmen als beispielsweise bei Ballspielen.

Dies sind nur einige Beispiele aus dem Rudersport, bei dem Jugendliche ganz elementar erfahren, dass man im Team erfolgreicher ist. Scheinbar unlösbare Aufgaben können im Team bewältigt werden.


Rudern erzieht zur Verantwortung

Im Ruderboot, z. B. einem Vierer oder Achter, kann nur dann trainiert werden, wenn jeder Bootsplatz besetzt ist, also alle Mannschaftsmitglieder anwesend sind. Um im Wettkampf erfolgreich zu sein, müssen Jugendliche in besonderem Maße Trainingstermine koordinieren und dann auch einhalten. Wenn trotzdem einmal – vielleicht wegen Krankheit – ein Mannschaftsmitglied fehlt, muss eine Ersatzperson beschafft werden. Dieses Beispiel zeigt, dass Verantwortung gegenüber Partnern ganz konkret geübt wird.

Falls doch einmal die Ersatzleute fehlen oder das eigentliche Trainingsboot einen Schaden hat, darf das Training nicht einfach abgesagt werden, wenn man erfolgreich sein will. Die Mannschaft bzw. der Trainer muss schon im Vorfeld Alternativen planen. Jugendliche lernen situativ zieladäquat zu handeln. Sie lernen Verantwortung gegenüber einem gemeinsam festgelegten Ziel zu übernehmen und dieses auch noch bei meist ungünstigen Rahmenbedingungen weiter zu verfolgen.

Teure Ruderboote müssen gepflegt und repariert werden. Das erzieht zur Verantwortung gegenüber Sachwerten.
Falls trotzdem einmal ein Unfallschaden eintritt, müssen die Jugendlichen beim Ausfüllen der Versicherungsunterlagen über den Unfallhergang berichten. Sie werden ernst genommen und so automatisch gezwungen über ihr Handeln in Bezug zur Unfallursache zu reflektieren. Durch diesen großen Aufwand im Falle eines Schadens lernen sie verantwortlich zu handeln, um Schäden zukünftig zu vermeiden.

Gerade das Beladen eines Bootsanhängers erfordert in hohem Maß Verantwortung und Umsicht. Spätestens wenn der Bootstransport den Bootsplatz verlässt, unterliegt er den Sicherheitsanforderungen des Straßenverkehrs. Jugendliche sind bei der Planung und Ausführung des Beladens - natürlich immer unter fachkundiger Anleitung - sehr stark eingebunden. Jugendliche können hierbei lernen, dass man Arbeiten bis zur Fertigstellung korrekt ausführen muss und nicht dann abbrechen darf, wenn man keine Lust mehr hat. Sie erkennen auch, dass man Arbeiten praxisorientiert planen muss, um sie auch entsprechend durchführen zu können.

Das Ruderboot ist nicht nur ein Sportgerät, sondern auch ein Wasserfahrzeug. Jugendliche müssen sich mit Schifffahrtsregeln auseinander setzen und Rücksichtnahme gegenüber anderen Wasserfahrzeugen üben.

Bei den Schülerregatten, allen voran die Landes- und Bundesentscheide „Jugend trainiert für Olympia“, wird verlangt, dass alle Mannschaftsmitglieder derselben Schule angehören. Dadurch werden Schüler, Lehrer und Trainer im positiven Sinne gezwungen, nach ergänzenden Mannschaftsmitgliedern zu suchen und auch scheinbar schwächere Jugendlichen mit ins Boot zu nehmen. Diese Regelung vermittelt den jugendlichen Mannschaftsmitgliedern die Erkenntnis, dass auch scheinbar nicht so starke Mannschaftsmitglieder ihren positiven Beitrag zum Erfolg leisten können.