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Rudern im regulären Sportunterricht


Rudern im Riemenvierer


Kanufahren im Sportunterricht hilft dem Rudern-Lernen


Ein Ruderboot umgebaut zum Kanu


Paralleles Lernen von Rudern und Kanufahren


Die ersten erfolgreichen Bewegungserfahrungen
1.12.2007
Thomas Woznik: Warum und Was sollen Schüler im Ruderunterricht lernen?

C. BAUER (1999, 111) bringt die Problematik der Anfängerausbildung auf den Punkt: „ Die Unterrichtsorganisation ist die Hauptschwierigkeit ... Sind mehr als zwei Boote auf dem Wasser, erhöht sich die Eigenverantwortung der einzelnen Boote und damit auch die Unfallgefahr. Die Lehrkraft kann nicht mehr alle Boote gleichzeitig beaufsichtigen und ist auf die gewissenhafte Ausführung ihrer Anweisungen angewiesen.“ Doch genau diese Problematik stellt sich für jeden Lehrer, der beabsichtigt, Rudern im regulären Sportunterricht zu thematisieren. Neben der hier zunächst methodisch aufgeworfenen Fragestellung erhebt sich für jede Sportlehrkraft die nicht minder bedeutsame Frage: Warum sollen Schüler die Ruderbewegung lernen, welche Bewegungsaspekte zeichnet diese Bewegung im Vergleich zu anderen aus? Können pädagogisch bedeutsame Lernziele mit dem Rudern-Lernen im Sportunterricht verbunden werden? Auch wenn schulbezogen bereits von SCHRÖDER (1981), SEIBEL/ WOZNIK (1991), KNIERIM (1995) oder aber BAUER (1999) für Teilbereiche Antworten und Problemlösungen formuliert wurden, so haben sich im Zuge der aktuellen Curriculum-Revision in der Zwischenzeit weitere Gesichtspunkte ergeben.
Als in hohem Maß von situativen Bedingungen abhängig ist Rudern-Lernen stets mit den spezifischen Bedingungen verbunden, unter denen es vermittelt werden soll. So eröffnen sich einem Lehrer, der an einem „stillen“ See oder einem schwach fließenden nicht schiffbaren Gewässer Anfänger unterrichtet, weitaus mehr Möglichkeiten in das Rudern einzuführen als demjenigen, der an einem relativ stark strömenden schiffbaren Fluss seine Tätigkeit ausüben soll.
Im folgenden Text soll eine Möglichkeit dargestellt werden, die auch unter den nicht ganz so einfachen Bedingungen eines fließenden Gewässers mit Schiffsverkehr, wie bspw. dem Main, möglich ist. Sieht man von schwierigen Windverhältnissen einmal ab, dann sind sie auf unproblematischere Gewässer, wie einen „stillen“ See ohne Schiffsverkehr ohne Einschränkungen übertragbar. Doch zunächst:


Warum Rudern im regulären Sportunterricht?

Liegt die Möglichkeit eines geeigneten Wasserreviers vor, dann erhebt sich die Frage, warum soll ausgerechnet Rudern im Rahmen des regulären Sportunterrichts vermittelt werden? – Warum nicht Kanu, Kajak oder Windsurfen? – Was zeichnet die Ruderbewegung vor anderen aus? - Was können Schüler im Zusammenhang mit Rudern lernen, was für den übrigen Unterricht wichtig, gegebenenfalls für die spätere Lebensbewältigung nützlich ist? – Des weiteren erhebt sich die Frage, welche Bewegungsfertigkeiten sind für eine sichere Bewältigung des gegebenen Wasserreviers notwendig? - Drei für den Sportunterricht bedeutsame Legitimationsebenen sollen hier angeschnitten werden: die sportmotorische, die pädagogische und die curriculare Begründungsebene.


1. Sportmotorische Begründungsebene:
• Rudern ist eine Ganzkörperbewegung und kräftigt neben der Rumpfmuskulatur die heute wenig beanspruchte Armmuskulatur.
• Als zyklische Bewegungsform fördert die Ruderbewegung neben Kraft- im besonderen Ausdauerfähigkeiten.
• Da die Ruderbewegung sitzend ausgeführt wird, kann die Bewegung differenziert dosiert werden, weshalb sich die Bewegung für unterschiedlichste Alters- und ausdauerorientierte Anforderungsbereiche, wie Rehabilitations-, Ausgleichs- und Leistungssport eignet. Aus Schulperspektive bietet damit das Rudern-Lernen für die Schüler in ihrer aktuellen Situation als auch unter dem Aspekt der Zukunftsrelevanz vielerlei sportliche Perspektiven.
• Mit den verschiedenen Bootstypen, Gig- und Rennbooten, bietet die Ruderbewegung für die Schüler differenzierte Anforderungen im Gleichgewichtsbereich.
• Unter dem Aspekt der Lerngeschwindigkeit ergeben sich aus den unterschiedlichen Gleichgewichtssituationen sowohl für langsam als auch schnell lernende Schüler differenzierte Möglichkeiten an Lernumgebungen, die bei angepasster Auswahl eine hohe Lernmotivation schaffen.
• Rudern gehört wegen der durch Rollsitz und Stemmbrett geführten und damit beschränkten Bewegung zu den verletzungsärmsten Sportarten. Dies kann gerade für bewegungsunerfahrene, ängstliche und auch für die heute nicht seltenen körperlich kräftigen und unbeweglichen Schüler ein wichtiger Motivationsgrund sein kann, sich auf eine unbekannte Bewegung einzulassen.


2. Pädagogische Begründungsebene:
• Da sich Lernen in der Schule in hohem Maße in Gruppen abspielt, erfordert und fördert Rudern im Vierer m. Stm. (Zweier m. Stm.) Kooperationsfähigkeitsdimensionen im kognitiven und sozial-affektiven Bereich. Dies nicht nur im Vollzug des Bewegungsablaufes sondern bspw. auch beim gemeinsamen Transportieren oder Zu-Wasser-Lassen eines Bootes.
• Kooperation und Disziplin müssen nicht vom Lehrer direkt gefordert werden, sondern ergeben sich in vielen Fällen aus der Sache selbst, womit es aus Lehrersicht pädagogisch so wertvoll wird. Kurz: Kooperation ist für jeden Schüler sowohl motorisch als auch sozial direkt und funktional als klarer Vorteil erkennbarer und muss nicht von einer Lehrperson eigens eingefordert werden.
• Unter der Voraussetzung, dass das Ruderrevier keine besonderen Gefahren birgt, können Lernschritte in den Verantwortungsbereich der Schüler übergeben werden. Der Erfolg/Misserfolg ist bei vielen Bewegungsabläufen sichtbar nachzuvollziehen, weshalb die Schüler selbständig ihre Lernprozesse und ihr Lerntempo steuern. Sie können damit lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, womit Erziehung zur Selbständigkeit bei bewusster Ansteuerung keine Leerformel ist.
• Unter schulischen Aspekten ist in diesem Zusammenhang weiterhin bedeutsam, dass der Unterricht geschlechtsunspezifisch durchgeführt werden kann, denn Jungen und Mädchen können unproblematisch miteinander rudern.


3. Curriculare Begründungsebene:
Rudern ist unabhängig von den verschiedenen Ausführungen der länderspezifischen Curricula dem Bewegungsfeld „Fahren und Gleiten“ zuzuordnen ist. Damit kann Rudern, solange die materiellen und personellen Voraussetzungen erfüllt sind, im regulären Sportunterricht integriert werden, ist jedoch von jeder Sportfachkonferenz, jeder Lehrkraft zu legitimieren. Dies bedeutet für die Lehrenden, die Frage zu beantworten: Wie binde/n ich/wir Rudern an andere Bewegungsfelder oder Sportarten an. Dies gilt unabhängig davon, ob man sich an einem an Bewegungsfeldern orientiertem Curriculum, oder an einen Sportartenkonzept orientiert. Mögliche Ansätze hierzu bieten bspw. anderen Wassersportarten, wie Kanu, Surfen, Schwimmen, etc., die dazu genutzt werden können, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ruderbewegung herauszustellen. Hinsichtlich der personellen Voraussetzungen sei angeführt, dass in den Bundesländern durch die Erlasslage sehr unter-schiedliche geregelte Anforderungen gestellt werden: Sie reichen von wenig reglementierten Voraussetzungen, wie bspw. in Hessen, wo über das zweite Staatsexamen hinaus keine besondere Qualifikationsbedingungen erfüllt sein müssen, bis hin zu denen Nordrhein-Westfalens, wo zusätzliche Qualifikationsbedingungen, wie bspw. die Lehrbefähigung für das Rettungsschwimmen erforderlich sind. Wegen des vorliegenden Gefahrenpotenzials beim Rudern und um dem möglichen Vorwurf der groben Fahrlässigkeit nicht Vorschub zu leisten, sollte zum Erteilen qualifizierten Sportunterrichts aus meiner Sicht ein Sportlehrer einen Wahlpflichtkurs im Rahmen der universitären Ausbildung oder einen Fortbildungskurs im Rahmen der Lehrerfortbildung absolviert haben, um den besonderen Anforderungen an die Sicherheitslage und die Gerätenutzung gerecht zu werden.



Was können Schüler beim Rudern lernen?

Im Zusammenhang mit der Legitimationsproblematik des Ruderns lassen sind eine Vielzahl an motorischen, kognitiven und sozialen Lernzielen ableiten. Sie im einzelnen aufzuführen, würde den Umfang und das zentrale Anliegen dieses Beitrages übersteigen. Daher möchte ich hier lediglich auf einige bedeutsame motorische und sich auf die spezielle Situation eines Anfängers auf einem schiffbaren Fluss beziehende Lernziele eingehen.
Wegen der Kollisionsmöglichkeiten mit der Berufsschifffahrt kann das pädagogisch wünschenswerte Entdecken von Bootsmanövern nicht in einer beliebigen Reihenfolge erfolgen. Ein relativ eng beschränkter Bewegungsraum macht es erforderlich, dass die Bootsbesatzungen bereits von Beginn an auf der Stelle Wenden können müssen. Damit entfällt das Ausprobieren vielfältiger Möglichkeiten, die vom Steg weg und wieder zurück führen, wie bspw. das Fahren von Kurven mit unterschiedlichen Radien. Dieser Nachteil der Schüler beim Erfahren vielfältiger Möglichkeiten, hat jedoch den für den Lehrer bedeutsamen Vorteil, dass die gesamte Lerngruppe sich auf engem und überschaubaren Raum bewegt und daher gut beaufsichtigt werden kann. Darüber hinaus sehe ich keine bedeutsamen Beschränkungen in Bezug auf die Reihung der anzusteuernden motorischen Lernziele. Transportieren, das Zu-Wasser-Lassen sowie Besteigen der Boote ergeben sich für die Schüler als Notwendigkeit für die Ausübung des Fahrens auf dem Wasser, Vorwärtsrudern, Stoppen, Kurvenfahren aus den Bewegungen relativ vieler Boote auf engem Bewegungsraum. Insofern führen die situativen Bedingungen zu den grundlegenden Bootsmanövern, wie An- und Ablegen, die Ruderbewegung gemeinsam beenden, die Ruderbewegung stoppen sowie Rückwärtsrudern. Weiterführende motorische Lernziele, wie den Schlagrhythmus in Übereinstimmung zu bringen, ergeben sich nach etwa drei Unterrichtsdoppelstunden, wenn die Bootsmanöver sowie die grundlegende Technik des Vorwärtsruderns beherrscht werden.