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Rudern und Kanufahren im regulären Sportunterricht


Riemenrudern von der ersten Stunde an.


Erfolgreiche erste Bewegungserfahrungen nicht nur im Rudern


Bewegungserfahrungen beim Kanufahren helfen der Ruderbewegung


Ein Ruderboot als Kanu umgebaut


Das Wenden des Bootes
1.12.2007
Thomas Woznik: Wie können Schüler im (Sport-)Unterricht Rudern lernen?

Im Zuge der aktuellen Lehrplanrevision im Fach Sport, die u.a. eine Öffnung des Sportunterrichts für weitere Sportarten und eine verstärkte Reflexion des sportmotorischen Handelns im Sinne eines begründeten sportmotorischen Tuns verfolgt (vgl. auch MERTENS/ZUMBÜHL (2001)), greift KAHL (2000) in Anlehnung an SCHARRENBERG (1995) in ihrer Unterrichtsein-heit die Entwicklung der Rudertechnik unter historischen Gesichtspunkten auf: Vom Staaken und Paddeln bis hin zum Rudern. Diesen Gedanken aufgreifend, verfolge ich in meinem Ruderunterricht seit dem Jahr 2000 das zentrale Ziel, die Rudertechnik vergleichend und selbständig als eine unter bestimmten Bedingungen und als eine unter den aktuell bedeutsamen sportlichen Bewegungstechniken günstigste Fortbewegungsmöglichkeit auf dem Wasser entdecken zu lassen. Damit den Schülern dies deutlich werden kann, sind Bewegungsdifferenzen zu anderen Wassersportbewegungen erforderlich. Im vorliegenden Fall wurde wegen der beschränkten Materialausstattung an der Karl-Rehbein-Schule in Hanau die Kanu-/Canadierbewegung ausgewählt. Diese lässt sich in modifizierten Ruderbooten ohne Ausleger, Rollsitze, etc. (vgl. Abb. 1) strukturell identisch ausführen.

Neben dem primär pädagogisch motivierten Ziel, dass sich die Schüler selbständig und vergleichend der Ruderbewegung nähern, kann das Defizit vieler Einführungsmethoden (BAUER 2001, KNIERIM 1995, SEIBEL/WOZNIK 1991), von der ersten Stunde an nicht alle Schüler gleichzeitig motorisch intensiv zu fordern, vermindert werden. Da ein D- oder E-Gig-Vierer mit Steuermann/-frau nur fünf Schüler fasst, ein zum Kanu (vgl. Abb. 2) „umgebauter“ D-Gig-Vierer mit bis zu 10 Lernenden besetzt werden kann, können mit zwei zum Kanu umgebauten Ruder-D-Gig-Vierern und zwei weiteren Ruder-Gig-Vierern insgesamt 30 Schüler gleichzeitig üben. Damit kann eine Lehrkraft eine Schulklasse mit allen Schülern von Beginn an in einer gut überschaubaren Anzahl von 4 Booten unterrichten. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass neben den deutlich werdenden Bewegungsunterschieden auch viele Bootsmanöver durch die Bewegungsübertragung von der als einfacher wahrgenommenen Kanubewegung auf die als komplexer empfundene Ruderbewegung selbständig übertragen werden und sich damit nahezu „von selbst“ ergeben. In bezug auf die Bootsmanöver bedeutet dies bspw., dass das wichtige Wendemanöver nicht wie bisher (u.a. SEIBEL/WOZNIK 1991) mit aufwendigen Bewegungsanweisungen erlernt werden muss, sondern als Bewegungsaufgabe von den Schülern selbständig von der Kanubewegung auf die Ruderbewegung übertragen werden kann. Im Unterschied zu früher wird bei der vorliegenden Konzeption das Wendemanöver auf die Bewegungsanweisung „das Boot wenden“ reduziert. In den „Kanu-Booten“ ergibt sich nämlich das Wenden „wie von selbst“, indem eine Seite die Stechpaddel vorwärts, die andere Seite rückwärts bewegt. Auftretende „Wende-Probleme“ bei den Ruderbooten können einerseits durch den Impuls „sich bei den Kanu-Booten das Wenden abzuschauen“, andererseits, was sich bisher jedoch nur bei motorisch wenig qualifizierten Schülern als notwendig erwies, durch die Lehrperson in Steuerfunktion auf dem Wasser gestützt werden.

Damit ergibt sich bereits nach spätestens drei Unterrichtsdoppelstunden
1. ein Bewegungsvergleich mit Ausführungen zu Vor- und Nachteilen der Kanu- und Ruderbe-wegung,
2. die „Entdeckung“ von Rückwärtsrudern und einfachen (reduzierten) Bootsmanövern durch Bewegungsübertragung von der Kanu- auf die Ruderbewegung,
3. ein Motiv sich auf weitläufigeren Gewässern, wie Fluss- und Seelandschaften weiterhin primär mit der Ruderbewegung zu beschäftigen, da die Ruderbewegung nach Aussagen von vielen Schülern „zu schnellerem Fahren führt“ und „interessanter ist“.

Da bereits nach wenigen Unterrichtsdoppelstunden zentrale Bewegungsfertigkeiten, wie Bootstransport, Ein- und Aussteigen, An- und Ablegen, Vorwärts- sowie Rückwärtsrudern, bzw. als Kanubewegung und das wichtige Wendmanöver primär mit Hilfe von Bewegungsaufgaben von a l l e n Schülern selbständig in ihren Bootsbesatzungen „entdeckt“ wurden, liegt ein den pädagogischen Erfordernissen und den aktuellen curricularen Trends entsprechende Konzeption vor, die bei den oben angeführten materiellen und organisatorischen Voraussetzungen schulischen Einsatzbedingungen gerecht wird. Darüber hinaus ergibt sich zu diesem Zeitpunkt, entgegen meiner ursprünglichen Annahme, für fast alle Schüler ein starkes Motiv, sich weiterhin nur noch mit der Ruderbewegung auseinander zu setzen. Denn einerseits gilt die Kanubewegung auf einem breiten Fluss als motorisch „ausgereizt“, andererseits wird die Ruderbewegungen wegen ihres größeren Komplexitätsgrades als noch unfertig wahrgenommen. Die Vermutung liegt nahe, dass das Ergebnis auf schmalen, windungsreichen Gewässern bei vielen Schülern anders ausfällt. Insofern sind die Gewässerbedingungen von entscheidendem Einfluss auf die Wahrnehmung. Der weitere Unterricht erfolgt den Interessen der Schüler entsprechend vorwiegend in Ruderbooten. Schüler, die vorwiegend an der Kanubewegung interessiert sind, können sich auch weiterhin mit dieser Bewegung beschäftigen, was sich bisher jedoch auf max. eine Bootsbesatzung beschränkte. In den verbleibenden drei Unterrichtsdoppelstunden einer im schulischen Bereich üblichen etwa sechs- bis sieben Doppelstunden umfassenden Unterrichtseinheit können dann weitere Möglichkeiten zum Wenden (u.a. lange Wende) und Einflußgrößen für effizienteres Rudern, wie bspw. Zuglänge ist effizienter als die Steigerung der Ruderfrequenz, die Übereinstimmung im Schlagrhythmus ist von hoher Bedeutung, etc. gesucht werden. Gleichermaßen dient in Hanau eine Ausfahrt in einen nahe gelegenen schmalen Fluss als Bestätigung dafür, dass das Rudern bei weitläufigen Gewässern geeigneter als die Kanubewegung ist. Auf dem schmalen Flüsschen wiederum ist es umgekehrt.

Zur Konkretisierung der dargelegten Aussagen werden im folgenden Beitrag die wesentlichen Lernschritte einer Unterrichtseinheit in der Jahrgangsstufe 8 dargelegt. Voraussetzung für diese ist, wie oben bereits erwähnt, ein schwachfließendes Gewässer mit Schiffsverkehr. Die dargestellte Unterrichtseinheit kann aus meiner Sicht problemlos und mit geringfügigen Modifikationen auf stehende Gewässer mit geringem Schiffsverkehr, sowie auf ältere Jahrgangsstufen übertragen werden. Für andere Gewässer sind Alternativen notwendig, die hier wegen ihrer Vielfältigkeit nicht weiter ausgeführt werden.



vgl. Beitrag „Ruder-UE-Vergleich-Ru-Kanu“ (wird noch ergänzt!)