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Rudern im Vierer


Einsetzen eines Vierers am Steg


Zwischenlagerung der Boote am Steg


Skizze 1: Organisation von Vierern am Steg ( H=Helfer, A=Ausbilder)


Skizze 2: Boote an der Leine (H = Helfer, A = Ausbilder)


Skizze 3: Boote bei der Ausfahrt (H = Helfer, A =usbilder)


Skizze 4: Ausbildung im Einer ( B = Boje, A = Ausbilder)

Hans Rath: Methodische Besonderheiten im Schulrudern - Organisatorische Formen

Häufig bleibt die Anfängerausbildung im Mannschaftsboot ( C-Gig-Doppelvierer und -Zweier) - zumindest in der Anfangsphase - eine zwingende Notwendigkeit. Je nach Steganlage können bis zu 4 Bootsbesatzungen gleichzeitig von einem Lehrer mit Helfern ausgebildet werden. Hilfreich ist dabei die Arbeit mit an Heckleinen gehaltenen Booten in Stegnähe zum Erlernen der Ruderbewegung vor der ersten Ausfahrt (siehe Methodenbeispiel u. Skizzen).
Bei stark strömenden Gewässern ist dies nur bedingt möglich. Hier muss häufig zunächst im zur Hälfte mit Anfängern besetzten Mannschaftsboot begonnen werden.

Die weitere Verfeinerung der Rudertechnik sollte aber immer im Übungs-Einer oder Zweier erfolgen. Wobei die sogenannte kybernetischen Methode mit dem Einer als Lernmaschine nicht ohne verbale Korrektur oder Demonstration auskommt, da sich sonst vor allem Fehler im Bewegungsablauf und der Körperhaltung einschleichen, die später kaum noch zu korrigieren sind.
Das Skullen sollte man immer vor dem Riemenrudern vermitteln, da so Haltungsschäden vermieden werden und die Umstellung auf die andere Ruderart auch problemloser gelingt. (Hierzu gibt es auch begründete andere Ansichten - vgl. Beitrag von T. Woznik)

Beispiel für eine Methode der Anfängerausbildung mit größeren Gruppen, die im Unterricht mit der Klasse 8 eines Gymnasiums mit einer Ruderanlage an einer Bundesschifffahrtstraße erprobt wurde.
- 1 Boot wird aus dem Lager genommen und kielunten im Böcke gelegt. Genaue Anweisungen
zum Tragen und Drehen eines Bootes!
- Einweisung in die Bootskunde mit kurzer Beschreibung der Funktionen von Rollsitz, Ausleger
Stemmbrett und Skulls. Hinweise auf zu betretende und nicht zu betretende Bootsteile!
- Zu Wasser bringen aller Boote nach der für die Steganlage notwendigen Technik.
- Demonstration des Einlegens der Skulls. „Dollen zeigen immer zum Steuerplatz!“
- Demonstration des Einsteigens und Einstellen des Stemmbrettes. Wichtig ist hier, dass passend
zum Rollbahnende eingestellt und bei Lochleisten-Beschlägen der Kielzapfen in die
Lochleiste eingesteckt wird!
- Die Steuerleute halten die parallel zum Steg liegenden C-Vierer an den mittleren Ausleger
immer in der Waagerechten.(siehe Skizze 1). Die Skulls liegen senkrecht zum Boot auf dem
Wasser oder auf dem Steg. Ist der Steg zu schmal, können sie auch parallel liegen.

siehe Skizze 1

- Unter Anweisung eines etwas erhöht stehenden Ausbilders erfühlen die Anfänger zunächst die
Schwimmlage des senkrecht stehenden Skullblattes und die dazu passende Griff- und Hand-
haltung mit gestreckten Beinen.
- Zunächst wird mit gestreckten Beinen und senkrechtem Blatt die Ruderbewegung ganz ohne
Krafteinsatz wasserseitig geübt. Sofort von allen Ruderern gleichzeitig! Der nicht eingesetzte
Arm wird auf dem Rücken gehalten!
- Ist eine gewisse Sicherheit erreicht, wird auch die Rollbahn benutzt. Wichtig ist jetzt, dass auf
die Umkehrpunkte der Ruderbewegung und die richtige Körperhaltung - z.B. in der
Rückenlage - geachtet wird!
- Ist auch wieder eine genügende Sicherheit im mannschaftlichen Bewegungsablauf erreicht, führt
man das Ab- und Aufdrehen der Blätter schon jetzt einseitig ein und lässt hinreichen lange üben.
- Die nächste Phase der Ausbildung erfolgt mit den Booten an der Heckleine frei auf dem
Wasser (siehe Skizze 2). Bis zu 4 Steuerleute stehen an Land, halten das Boot jeweils an einer
bis zu 15 m langen Heckleine und haben die Möglichkeit, die Boote wieder heranzuholen.

siehe Skizze 2

- Als erstes werden nun Seiten-Kippligkeit und Sicherheitsstellungen erprobt. Danach setzen
sofort Übungen zum beidhändigen Skullen ein. Zu achten ist dabei auf die Links- vor Rechts-
Handführung, um Daumenschäden zu vermeiden! Wichtig ist auch hier - besonders bei Jungen , dass die Ruderbewegung nahezu kraftlos ausgeführt wird, sonst können die Steuerleute die
Boote nicht halten.
- Ausgiebig kann jetzt die Wasser- und Körperarbeit geschult werden, wobei die Lageunsicher- heit der Boote schon manchen Fehler anzeigt. Die mannschaftliche Zusammenarbeit kann man auch zunächst in 2er oder 3er Gruppen je Boot üben. Schließlich muss man bei schwierigen
Gewässern noch die lange Wende einführen. Ist in der Rudertechnik hinreichende Sicherheit
erreicht, sollte möglichst schon in der ersten Ausbildungseinheit noch eine kurze Ausfahrt
erfolgen. Dazu holen die Steuerleute die Boote mit den Heckleinen heran und steigen über
Heck und auf dem Innenkiel gehend ein. Der Ausbilder sitzt im letzten Boot, damit er
alle übrigen im Blickfeld und Rufweite hat (siehe Skizze 3).

siehe Skizze 3

- Jetzt können noch Korrekturen zu Körperhaltung, Ruderbewegung und Rhythmus auf dem
Wasser vorgenommen werden. Auch die Wenden, Stoppen-Stoppt-Manöver und das
Rückwärtsrudern lassen sich nun oder bei späteren Ausfahrten einüben.
- Beim Anlegen sind sofort das richtige Aussteigen und Herausnehmen der Skulls zu üben.
Grundsätzlich gilt am Steg immer: Zunächst kommt das Boot aus dem Wasser und wird zur
Pflege in Böcke gelegt. Erst dann werden Skulls und Steuer in die Halle gebracht! Nur so wird
der Steg schnell für weitere Boote frei.
- Die Bootspflege hat nach jeder Ausfahrt zu erfolgen! Abspritzen und Entfernen der
Dreckränder an der Wasserlinie am Boot sind immer notwendig. Hin und wieder ist auch eine
Reinigung des Bootsinneren empfehlenswert.
- Beim Hereintragen und Einlagern der Boote und des Zubehörs ist von Anfang an auf
sachgerechtes Vorgehen zu achten! Nur so ist auch weiterhin das Arbeiten mit Großgruppen
möglich und bleibt auch für den Ausbilder leistbar.
- Wichtig ist, dass während des gesamten Unterrichts von allen Ausbildern und Steuerleuten die
Ruderbefehle des DRV einheitlich benutzt werden, damit auf diese Weise die Ruder ihre
Fachsprache sofort erlernen und im Gefahrenfall auch richtig reagieren können!
- Bei den folgenden Ausfahrten sind immer wieder andere Schlagruderer einzuteilen, damit alle
Schülerinnen und Schüler das Einfügen in eine Mannschaft erlernen.
- Die nächste Ausbildungsphase erfolgt nun im Übungs-Einer, der zunächst am Heck noch von einem Helfer gehalten werden kann. Da die Ruderbewegung und alle Manöver schon beherrscht werden, fällt der Unstieg in das schmale Boot nicht schwer, wenn die Angst überwunden ist.
Man wird nun die Gruppe teilen müssen, da nicht so viele Kleinboote zur Verfügung stehen. Ein
Teil wird im Großboot bestimmte Übungen machen, die übrigen Einer werden immer wieder am Steg vorbeirudern, damit Korrekturen vorgenommen werden können (siehe Skizze 4). Später
kann der Ausbilder auch in einem Einer mit der Gruppe weitere Ausfahrten machen.
Geschicklichkeitsübungen in einer Slalomstrecke schließen diese Ausbildungsphase ab.

siehe Skizze 4

- Erst nachdem das Skullen gut beherrscht wird, erfolgt die Ausbildung im Riemen-Rudern. Je
nach Ausstattung der Bootshalle kann dies in Kleinbooten (2-) oder auch in C-Gigs erfolgen.
Wichtig ist hier, dass bei jeder Ausfahrt die Seite gewechselt wird, damit möglichst
Haltungsfehler vermieden werden und die Ruderer sich nicht zu BB- oder StB-Spezialisten
entwickeln.
- Die nächste Phase der Ausbildung umfasst dann die Hinführung zum Langstreckenrudern mit
abschließenden Wettbewerben und schließlich zum Rennrudern. Parallel dazu sollte immer für
alle auch das Wanderrudern gepflegt werden.
Die hier in Kurzfassung vorgestellte Methode ist eine Möglichkeit für die Arbeit mit großen Schülergruppen, die an das nichtströmende Gewässer mit starkem Schiffsverkehr angepasst wurde. Jede Ruderanlage mit dazugehörigem Gewässer stellt andere Anforderungen an die Organisationsform und Methodenwahl und verlangt vom Sportlehrer Flexibilität in der Auswahl seines Ausbildungsweges. Bei ruhigen Gewässern ohne Schiffsverkehr kann durchaus die Anfängerausbildung im Einer am Anfang stehen, während stark strömende Gewässer mit dichtem Schiffsverkehr erst eine Vorausbildung im Ruderbecken oder Schulung im teilweise mit Anfängern besetztem Großboot notwendig machen.