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Festredner Werner Niemeyer


Die Festgemeinde


Werner Niemeyer (rechts) bei
11.05.2014
Festvortrag zum 50jährigen Jubiläum des SRVbHessen

Festvortrag von Werner Niemeyer

Liebe Anwesende!
Zunächst möchte ich mich vorstellen: Mein Name ist Werner Niemeyer, ich bin seit 1977 Protektor des Rudervereins der Schillerschule Hannover, war 17 Jahre Vorsitzender des Schüler-Ruder-Verbands Niedersachsen und habe im Bund deutscher Schülerruderer und im Referat Jugend trainiert für Olympia mitgearbeitet.
Es ist mir eine große Freude, dass ich zum heutigen Jubiläum, zu dem ich ganz herzlich gratuliere, gebeten wurde, den Festvortrag zu halten.
Ich habe meinen Festvortrag unter das Motto gestellt:
Ist das Schülerrudern in unserer heutigen Zeit noch zeitgemäß und attraktiv?
Wir alle wissen, dass unseren Schülern seit der Einführung von G8 eine Menge an zusätzlichen Zeiten in der Schule aufgebürdet werden, Zeiten, die sie früher genutzt haben, um zum Beispiel sportlich aktiv zu sein.
Als im Jahre 1890 die Herren Wickenhagen in Rendsburg und Lampe in Ohlau Schülerrudervereine gründeten mussten sie gute Gründe für das Entstehen eines SRVs haben. Was war der Grund, einen Ruderverein entstehen zu lassen, der sich aus Schülern rekrutierte, existierten zu dieser Zeit doch bereits Rudervereine.

Aber gerade das Schülerrudern bietet so viele Aspekte, außer sportlicher Aktivität, für das Leben zu lernen.
Nicht ohne Grund ist der Ruderlehrer nicht Trainer oder Lehrer, sondern Protektor,d.h. Wir bilden unsere Ruderer nicht nur aus, wir fördern und schützen unsere Sportler.
Für uns als Lehrer gilt es, höhere Ziele zu vermitteln, als nur Unterrichtsstoff an die Schüler weiterzugeben. Unsere Aufgabe ist es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch den Charakter zu formen, Werte und Ideale zu erkennen und zu leben.
Rudern ist eine Sportart, die einiges mehr an Zeitaufwand erfordert als andere Sportarten. Es reicht nicht zu kommen, sich umzuziehen und man rudert los
Es gehört die Pünktlichkeit aller Mannschaftsmitglieder dazu, wenn man gemeinsam rudern will. Bei Ballsportarten kann ich auch mit weniger Schülern mit dem Training beginnen, aber mit 3 Sportlern einen Rennvierer mit Stm zu rudern, geht nicht! Und nach dem Training kann man sich nicht nur kurz umziehen und dann nach Hause gehen: Es gehört Bootspflege dazu, denn das Boot möchte man ja auch noch länger rudern und in ein ungepflegtes Boot zu steigen: Wer will das schon.
Diese notwendige Zeit fehlt unseren Schülern häufig z.Bsp. durch G8, dass Niedersachsen, wie bekannt, schon wieder zurückgenommen hat und zu G9 zurückkehren wird. Und dabei wäre es doch so wichtig, Zeit für sinnvolle Freizeitaktivitäten zu haben.
Ich habe es eben schon angesprochen,
Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und ganz wichtig, der Teamgeist, sind Faktoren, die in allen Berufen an erster Stelle stehen.
Als Lehrer sind wir in der Schule täglich mit unseren Schützlingen zusammen und können Einfluss nehmen auf deren Werdegang, sei es dass wir direkt mit den Kollegen sprechen können oder mit den Schülern sofort Probleme klären können.
Aber auch sonst haben wir deutlich mehr Möglichkeiten als z.B. Trainer, auf die Entwicklung unserer Ruderer Einfluss zu nehmen.
So sprach mich ein Kollege an und fragte mich:“Was hast du nur mit deinem Ruderer M. gemacht, in der 7. Klasse war er chaotisch, jetzt ist er einer der Klassenbesten, sozial im Umgang mit seinen Mitschülern, hilfsbereit, freundlich, ein Schüler, auf den man sich hundertprozentig verlassen kann.
Wenn ich mich zurück erinnere, begann es damit, dass ich ihm sagte: Wenn du in unserem Team mitarbeiten willst, musst du schon lernen, mit Messer und Gabel zu essen.
Er musste weiter lernen, sein Material zu pflegen und als er dann seinen eigenen Einer hatte, gehörte er zu denen, die in der Spitze des Jugendrudersports vertreten waren.

Inzwischen wird das Thema Inklusion auch an unseren Schulen von immer größerer Bedeutung.
Welche Möglichkeiten hat ein Schülerruderverein sich dieses Problemes anzunehmen?
Ich möchte an praktischen Beispielen die Möglichkeiten, die sich uns Lehrern bietet, erläutern.
Als Lehrer haben wir die Möglichkeit, unsere Schüler täglich zu sehen, anzusprechen und zu motivieren, ins Boot zu steigen. So hatte ich einen Schüler, der krankheitsbedingt sehr stark motorisch behindert war. Er spielte für sein Leben gerne Fussball, hatte aber Probleme, im rechten Moment auszuholen, um zu schiessen und so traf er sehr selten den Ball. Dieser Schüler kam zum Rudern. Er konnte nicht allein ins Boot steigen, man musste ihm helfen, ihn stützen, aber dann im Boot gelang es ihm, erfolgreich die Technik des Ruderns zu erlernen.
Ein Jahr später wagte ich den Versuch, ihn in einen Gig-Einer zu setzen.
Der Versuch misslang, Er fiel nach kurzer Zeit ins Wasser.
Ein Dreivierteljahr später, es war bei einer Ruderfreizeit in Kassel, probierten wir einen zweiten Versuch, diesmal im Plastik-Übungseiner.
Seine Sportkameraden am Ufer schlossen Wetten ab, wann er wieder ins Wasser fallen würde.
Doch dieses Mal tat er ihnen nicht den Gefallen. Er ruderte Runde um Runde und stieg glücklich aus dem Boot. Er hat seine Fertigkeiten im Rudern so weit steigern können, dass er auch an Wettkämpfen teilnehmen konnte. Auch wenn er ab und zu den Start verpasste und etwas später losruderte wurde er nie letzter in seinen Rennen. Diese sportliche Leistung überzeugte auch seine Sportlehrer, sodass er venünftige Sportzensuren erhielt.
Als Lehrer sind wir in der Schule täglich mit unseren Schützlingen zusammen und können Einfluss nehmen auf deren Werdegang, sei es dass wir direkt mit den Kollegen sprechen können oder mit den Schülern sofort Probleme klären können.
Ein Highlight war für unsere Ruderer immer die Ruderfreizeit in Kassel.
Übernachtet wurde in Zelten und das Wetter meinte es über Pfingsten nicht immer gut mit uns. Natürlich gab es Zeiten, wo die Sonne herrlich schien, und ein Sonnenbrand den anderen ablöste.
Aber es gab Zeiten, da war es bitter kalt, oder es regnete in Strömen, sodass das Wasser auf einer Seite ins Zelt floss und auf der anderen Seite wieder hinaus und die Ruderer schwammen mit ihren Luftmatratzen im Zelt.
Dies alles konnte niemanden davon abhalten, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein.
Die Kameradschaft, das sich finden zu funktionierenden Zeltgemeinschaften, das gemeinsame Zubereiten von Speisen, Verantwortung für die anderen mit zu tragen, sind Werte, die man für das Leben lernt.

Extrem auffällig war, dass Schüler, die das Rudern als Leistungssport ausübten, sich in ihren schulischen Leistungen deutlich steigerten. Tägliches Training führte sicherlich dazu, eigene Freizeitaktivitäten einzuschränken, aber auf der anderen Seite lernten die Schüler ihren persönlichen Zeitplan einzurichten. Hausaufgaben wurden schnell und präziese bearbeitet, es war natürlich wenig Zeit für z.B. Computerspiele, trotzdem waren sie in der Lage, den Computer zu nutzen.
Außerdem hatten sie gelernt, sich für ihre schulischen Überprüfungen auf den Punkt vorzubereiten, wie es auch im Sport für die Teilnahme an Regatten notwendig ist und das zahlte sich aus bei der Bearbeitung von Klassenarbeiten.
Es gab Jahrgänge, bei denen sich unter den 10 besten Schülern unserer Schule 5 Ruderer und Ruderinnen befanden. Die Jahrgangsbeste mit einem Schnitt von 1,0 war eine Ruderin, die in der Woche bis zu 10 Trainingseinheiten absolvierte. Dass diese Schülerin nebenbei noch das Spielen der Geige beherrschte, sei nur nebenbei erwähnt. Man erkennt, dass Leistungssport und gute schulische Leistungen sich nicht ausschließen.
Ein weiteres großes Plus, das die Sportart Rudern bietet, ist der partnerschaftliche Umgang von Älteren und Jüngeren. Beide brauchen sich beim Rudern, die Älteren brauchen die Jüngeren zum Steuern, die Jüngeren die Älteren zum Bootetragen und beide lernen durch diesen gemeinsamen Umgang Rücksichtnahme und Verständnis füreinander: Ein Wechselspiel, von dem beide profitieren.
Das zeigt sich dann auch im Schulalltag, denn die Jüngeren haben jederzeit einen Ansprechpartner, der sie beraten und betreuen kann und ihnen wertvolle Hilfestellung geben kann.
Schülerrudervereine zeichnet aus, dass die Vorstände aus Schülern gebildet werden, d.h. hier wird schon sehr früh Demokratieverständnis geweckt und die Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen. Sie werden eingebunden in die Aufgaben, die zur Führung eines Vereins notwendig sind.
Sei es als Vorsitzender, Kassenwart oder Pressewart. Zu jeder Aufgabe ist eine hohe Creativität und Zuverlässigkeit gefragt.
Und so hat ein Ruderverein auch eine große Außenwirkung, was auch für das Image einer Schule durchaus wichtig ist. Die Aktivitäten und Erfolge eines Rudervereins werden häufig in der Presse erwähnt und verhelfen der Schule zu erhöhten Anmeldezahlen und jeder Schulleiter sollte diese positive Außenwirkung erkennen und die Aktivitäten unterstützen.
Ich möchte meinen Vortrag mit meiner persönlichen Antwort, nach mehr als 40 Jahren als Protektor und engagiertem Trainer im Schülerrudern, auf die eingangs gestellte Frage beantworten:
Ja, Schülerrudern ist heute genau wie vor 124 Jahren und wie vor 50 Jahren eine echte Chance für unsere Schulen, für unsere Schüler und auch für uns Lehrer, sehen wir doch die positiven Aspekte dieser dynamischen Sportart und die positive Entwicklung unserer Schüler.
Schönen Dank