News Termine Schülerrudern RWR-Leitlinien Schülerruderpokal Vorstand Satzung Mitglieder Links Impressum   18.08.2007
Hans Rath: Planung und Durchführung von Wanderfahrten mit Schülern

Zu den schönsten Erlebnissen für jugendliche Ruderer gehören Wanderfahrten auf Flüssen oder Seen. Sie erfordern allerdings eine umfangreiche Planung und Vorbereitung, bei der Jugendliche weite Bereiche selbst übernehmen können.

Vorüberlegungen:
Bei der Auswahl des Gewässers sind der Ausbildungsstand und das Alter der Jugendlichen sowie Transportmöglichkeiten und Beschaffenheit der zur Verfügung stehenden Boote zu berücksichtigen.
Eine Anfängerfahrt wird zunächst nur 3 - 4 Tage auf standortnahen, sicheren Gewässern stattfinden können. Später sind dann Fahrten von 8 - 10 Tagen auch auf Landes- oder Bundesschifffahrtsstraßen möglich. Hierfür sollte allerdings eine ausreichende Zahl der Teilnehmer eine Steuermannsprüfung (siehe Schrift „Bootsobleute und Steuerleute“ des DRV) erfolgreich absolviert haben. Für Fahrten auf Rhein oder Donau sind besondere Patente, wie die Rheinsteuermannsprüfung oder die Hilfe flusserfahrener Ruderer zu empfehlen.
Dann wird die Teilnehmerzahl und Zusammensetzung der Fahrtengruppe mit den Betreuern festgelegt. Sie ist abhängig von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Betreuer und den vorhandenen Wanderruderbooten. Anfänglich sollten zunächst Fahrten mit kleineren Gruppen durchgeführt werden, um Erfahrungen zu sammeln.
Auch der Bootstransport und die Anreisemöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind vorab zu klären. Bei Kurzfahrten mit festem Standort ist es meistens preiswerter, sich die Boote vor Ort bei einem Ruderverein zu leihen. Das trifft auch für Fahrten auf weit entfernten Gewässern zu, zumal die Vereine vor Ort oft gegen ein geringes Entgeld den Rücktransport der Boote durchführen.
Schließlich sollte mit der Schulleitung abgesprochen werden, ob die Rudertour als Schulfahrt laufen kann oder - bei Eingliederung der Ruderriege in einen Ruder-Club - als Vereinsveranstaltung organisiert werden muss.


Planung und Organisation:
Nachdem das Gewässer feststeht, ist eine genauere Verlaufsplanung nötig. Mit Hilfe des „Handbuchs für das Wanderrudern“ des DRV lassen sich geeignete Übernachtungsmöglichkeiten in Bootshäusern oder auf Campingplätzen entlang des Gewässers ausmachen. Die Streckenplanung ist dabei von der Fließgeschwindigkeit des Gewässers und vom Alter der Schüler abhängig. Bei stehenden oder kaum fließenden Gewässern ( Main, Mosel, Kanäle und Seen ) sollte für Jugendliche die tägliche Ruderstrecke 40 km nicht wesentlich überschreiten, zumal Schleusen, Umtra-gen oder Bootsgassen noch erheblich Zeit beanspruchen.
Sinnvoll ist es auch, einmal zwei kürzere Etappen und oder einen Ruhetag einzuplanen, damit bei ungünstiger Witterung flexibler entschieden werden kann, ob man einen Tag abwartet und dann zwei Etappen zusammenlegt usw..
Geeigneten Schülern erteilt man die Aufgabe, Besichtigungsprogramme und mögliche Ergänzungsveranstaltungen, wie Wanderungen usw., zu organisieren.
Die möglichen Quartiere sind sehr rechtzeitig mit einem Anschreiben nach beiliegendem Muster ( siehe Anlage 1 ) abzusprechen.
Der Fahrtleiter sollte immer der Protektor oder ein anderer Erwachsener sein, damit es keine Disziplinschwierigkeiten während der Fahrt gibt.
Liegen die Übernachtungsstellen fest, kann die Kostenkalkulation vorgenommen werden. Hierbei sind alle Zuschussmöglichkeiten auszuschöpfen:
- Die Jugendämter der Gemeinden leisten Zuschüsse für Kurzfreizeiten ( 3 - 4 Tage )
und Ferienfreizeiten, die mindestens 9 Tage dauern müssen, wobei der An- und
Abreisetag als 1 Tag gezählt werden! Internationale Begegnungen werden ebenfalls
gefördert.
- Die Gemeinde-Sportjugendorganisation verteilt Gelder des Landessportbundes für
Ferienveranstaltungen und Integrationsmaßnahmen mit Aussiedler-Kindern!
- Landesjugendämter haben ebenfalls Zuschüsse für internationale Begegnungen.
- In einigen Gemeinden verfügen die Sportämter ebenfalls über Fördergelder.
- Bei Schülerwanderfahrten können auch die Fördervereine der Schulen als Zuschuss-
geber angesprochen werden.
Alle diese Zuschussquellen sollten sehr rechtzeitig angesprochen werden, da oft Termine und besondere Antrags- und Abrechnungsverfahren eingehalten werden müssen.
Rechtzeitig müssen auch die Zugmaschine für den Bootstransport und die Platzreservierungen bei der Bahn geordert werden. Billigere Gruppentickets gibt es nur bei rechtzeitiger Buchung! Ist diese Planung abgeschlossen, werden Schüler und Eltern informiert.

Ausschreibung:
Nach beiliegendem Muster ( siehe Anlage 2 ) wird ein Merkblatt mit folgenden Angaben erstellt.
- Fahrtzeit
- Fahrtleitung und Betreuer.
- Anzahl und Alter der Teilnehmer.
- Anmeldetermin und Zeitpunkt einer 1. Vorbesprechung.
- Genauer Streckenverlauf.
- Übernachtungsstellen mit genauen Anschriften und Telefonangaben.
- Kalkulierte Kosten für den einzelnen Teilnehmer.
- Notwendige Ausrüstung.
- Vorgesehene Verpflegungsart.
Angehängt wird ein Anmeldeformular ( siehe Anlage 3 ), das neben den persönlichen Daten mit Heimatanschrift und Telefonnummer auch Angaben zur Krankenversicherung und eine Einverständniserklärung der Eltern enthält, dass der Teilnehmer einen Teil seiner Freizeit auch ohne ständige Aufsicht eines Betreuers verbringen kann, aber allen Anordnungen der Fahrtleitung Folge zu leisten hat und bei groben Zuwiderhandlungen auf eigene Kosten die Heimreise antreten muss.
Alle weiteren Informationen außerhalb der Vorbesprechung werden immer schriftlich herausgegeben!

Vorbesprechung:
Steht die Teilnehmerzahl fest, wird auf einer ersten Vorbesprechung folgendes geregelt bzw. abgesprochen:
- Zunächst gibt man genauere Informationen zum Gewässer mit Hinweisen auf
besondere Gefahren oder Schleusen, Bootsgassen und Umtragestellen, wobei
Bootsgassen mit Schülern möglichst nicht befahren, sondern die Boote hinunter
getreidelt werden sollten, da die Unfallgefahr zu groß ist.
- Die notwendige Ausrüstung des Teilnehmers ( Luma, Schlafsack, Sport- und
Alltagskleidung, Regen- und Sonnenschutz, Essbesteck, Wasserflasche,
wasserdichter Bootssack, Zelte und Kochsachen ) wird abgesprochen.
Das Gepäck sollte möglichst in nur 2 Taschen, nicht Koffer, verpackt werden, damit es
bei der Bahnanreise beim Umsteigen keine Transportprobleme gibt.
- Für die Verpflegung hat sich folgende Regelung gut bewährt: Für Frühstück und
Brotzeit sorgt der Teilnehmer selbst. Morgens wird lediglich ein zentraler
Brötchendienst eingerichtet. Am Abend können Fertiggerichte zentral erwärmt oder für
alle eine Mahlzeit bereitet werden. Fertiggerichte sind inzwischen sehr schmackhaft
und ersparen viel Zeit, die dann für Besichtigungen usw. genutzt werden kann.
- Dauerhafte Kochgruppen schon jetzt einteilen, damit die notwendigen Ausrüstungen
( Gasflaschen, Gaskocher und Töpfe ) beschafft werden, soweit diese nicht im Verein
vorhanden sind, und Einkäufe rechtzeitig erfolgen können.
- Für jedes Boot teilt man einen Obmann ein, der immer in dem zugeteilten Wanderboot
bleibt und für dessen ständige Einsatzfähigkeit zuständig ist. Zu seinen Aufgaben
gehört die tägliche Überprüfung des Bootes nebst Zubehör und die sofortige
Ausführung kleiner Reparaturen unter Mithilfe des Bootswarts.
- Der Bootswart wird beauftragt, eine Werkzeugkiste mit den notwendigen Rigger-
schlüsseln und Reparaturmaterialien zusammenzustellen.
- der Termin für die Überprüfung und Verladung der Boote wird für alle Teilnehmer
verbindlich festgelegt.
- Die Einteilung der Teilnehmer in die Bootstransport-Begleit- und Bahnreisegruppe mit
den jeweiligen Leitern sollte auch schon zu diesem Zeitpunkt erfolgen.
- Abschließend erfolgen Terminabsprachen für den Anreisetag und die voraussichtliche
Ankunft nach Abschluss der Fahrt.
- Ganz wichtig ist die Festlegung eines Bootspflege- und Wiederaufrüstungstermins
nach Abschluss der Fahrt, der für alle Teilnehmer verbindlich sein muss und am besten
unmittelbar nach der Wiederankunft am Bootshaus durchgeführt wird, da häufig wegen
weiterer Ferienpläne oder anderweitiger Verpflichtungen der Teilnehmer ein späterer
Termin nicht mehr zu organisieren ist.

Verladen der Boote:
Alle benötigten Wanderboote werden kielunten in Böcke gelegt. Jedem Bootsobmann teilt man eine Schülergruppe zu, die unter seiner Leitung das Boot und den Zubehör auf seine Einsatzfähigkeit für die Wanderfahrt hin überprüft.
Besonders zu beachten ist, dass
- alle Stemmbretter, Rollbahnen, Rollsitze, Ausleger mit Dollen und Bodenbrettern -
auch im Bug- und Heckraum - vollständig vorhanden, einsatzfähig und hinreichend
gekennzeichnet sind. Bei 7-Lochschienen dreht man in den Bugbeschlag
1 Ersatzstemmbrettschraube ein.
- das Steuer mit Beschlag, Steuerseil und ggfs. -Nadel vorhanden und gut handhabbar
sind.
- Im Bug und Heck des Bootes werden ca. 5 m lange Seile befestigt und für den
Transport gesichert. Sie werden während der Fahrt zum Befestigen der Boote bei einer
Rast oder zum Treideln durch die Bootsgasse benötigt.
- Für jedes Boot werden ein Ersatzrollsitz , eine Ersatzdolle, 2 Paddelhaken,
1 Lenzpumpe oder Ösfass und ein Flaggenstock zurechtgelegt. Nimmt man Gepäck
im Boot mit, sind auch Abdeckplanen notwendig!
- Bei Kunststoffbooten ohne genügend Auftriebskörper müssen unbedingt LKW-
Schläuche unter dem Sitzraum angebracht werden!
- Bei Skulls oder Riemen überprüft man die Klemmringe und die Innenhebellängen und
legt Ersatzruder bereit.
Ist die Überprüfung abgeschlossen, werden die Boote für die Verladung vorbereitet und auf dem Bootsanhänger festgebunden.
Hierzu müssen folgende Arbeiten durchgeführt werden:
- die Rollsitze und Bodenbretter im Steuer-, Bug- und Heckraum entfernt und mit den
Paddelhaken im Bootsanhänger verladen,
- Stemmbretter mit einer Zange fest anziehen oder auch herausnehmen und im Hänger
verstauen. Achtung! In diesem Fall müssen auch die Bodenbretter am Ruderplatz
herausgenommen und verladen werden.
- die Skulls und der weitere Zubehör im Kasten des Bootsanhängers verstaut,
- und schließlich die Boote aufgeladen, mit Spannbändern festgezurrt und gegen
Längsverschiebungen mit zusätzlichen Seilen gesichert werden.
Wichtig ist, dass die maximale Stützlast an der Anhängerkupplung nicht über, aber auch nicht wesentlich unterschritten wird, da sonst die Fahreigenschaften des Gespanns nachteilig beeinflusst werden.

Durchführung:
Der Bootstransport sollte immer von einem erfahrenen Gespannfahrer durchgeführt werden, dem eine Gruppe von kräftigen Ruderern zur Seite steht, die im Bedarfsfall den Hänger von Hand schieben können. Die Anreise der übrigen Teilnehmer wird so organisiert, dass alle rechtzeitig am Ausgangspunkt der Wanderfahrt eintreffen, damit alle Teilnehmer noch am gleichen Tag die Boote wieder aufrüsten und für die Fahrt vorbereiten können. Jedes Boot ist dabei mit Bug- und Heckleinen, 2 Paddelhaken und einer Lenzpumpe oder einem Ösfass auszustatten!
Vor Beginn der Fahrt wird als erstes das Gepäck in das Begleitfahrzeug verladen.
Es hat sich bewährt, wenn die Mannschaftseinteilung immer durch die gleiche kleine Teilnehmergruppe erfolgt, die darauf achten sollte, dass jeder Ruderer im Laufe der Fahrt in jedem Boot gesessen hat, mit möglichst vielen Kameraden in einer Mannschaft gerudert ist und alle Bootsbesatzungen annähernd gleich stark sind. An Tagen mit kurzen Etappen kann man durchaus einmal Wahlmannschaften zulassen. An allen Rudertagen sollte jedoch der Obmann immer in seinem zugeteilten Boot rudern.
Vor jeder Etappe gibt der Fahrtleiter Hinweise auf besondere Gefahrenstellen, Schleusen oder andere Besonderheiten der Strecke und bestimmt das Boot mit der Werkzeugkiste, welches immer die letzte Stelle einhalten muss. Auch werden die Mittagspause und andere Treffen mit dem Landdienst festgelegt. Schließlich erhält jedes Boot noch eine Streckenbeschreibung ( aus dem Handbuch für Wanderrudern ) für diesen Tag.
Weitere Informationen zum Fahrtverlauf sind wichtig:
- Die Boote halten stets Sichtkontakt, damit im Bedarfsfall Hilfe erreichbar ist.
- Gefahrenstellen werden immer mit wenigstens 2 Booten gemeinsam überwunden.
Falls möglich, ist auch der Landdienst in der Nähe.
- Hat ein Boot einen Schaden, bleibt es liegen, bis die Werkzeugkiste aufgelaufen ist.
Im Boot mit der Werkzeugkiste ist auch ein Handy nützlich, um notfalls mit dem
Landdienst Kontakt aufnehmen zu können.
- Das Anlegen auf freier Strecke erfolgt nur im Notfall! Sollte es nötig werden, ist darauf
zu achten, dass die Anlegestelle keine Untiefen enthält. Notfalls barfüßig durch das
Wasser aussteigen und immer 2 Ruderer als Sicherung beim Boot belassen!
- Auf Schifffahrtstraßen hat grundsätzlich die Berufsschifffahrt Vorfahrt, auch an
Schleusen!
Nach Abschluss der Tagesetappe werden die Boote nebst Zubehör sorgfältig abgelegt.
Der Obmann überprüft das Boot auf seine Fahrbereitschaft und behebt kleine Mängel mit dem Bootswart sofort. In den Bootshäusern oder auf den Campingplätzen ist vorbildliches Verhalten aller Teilnehmer Pflicht. Schlaf- und Essstellen sind sorgfältig zu säubern (besser als vorher!). In der Vergangenheit hat ungebührliches Verhalten von Schülerrudergruppen oftmals dazu geführt, dass Bootshäuser für Wanderruderer gesperrt wurden. Nach Abschluss der Fahrt werden die Boote abgerüstet und möglichst sofort gründlich gesäubert und verladen. Unmittelbar nach dem Eintreffen am eigenen Bootshaus sollten die Boote sofort wieder aufgerüstet werden, damit der Übungsbetrieb ungestört weitergehen kann.

Nachbesprechung und Elternabend:
Ein Erfahrungsaustausch nach Beendigung der Fahrt gibt den Teilnehmern die Gelegenheit zu Kritik und Verbesserungsvorschlägen und leitet meistens schon die Planungen für die nächste Ruderwanderfahrt ein.